Statement zum 2. Juni – Internationaler Hurentag 2026

Am 2. Juni 1975 besetzten etwa 150 Sexarbeiter*innen in Frankreich eine Kirche und riefen einen Generalstreik aus. Vorausgegangen waren jahrelange Repressalien, Kontrollen und Polizeischikanen. Sexarbeiter*innen mussten ihre Arbeit versteckt ausüben und waren Gewalttaten schutzlos ausgeliefert. Sie schlossen sich zusammen und forderten gemeinsam Freiheit in ihrer Berufsausübung. Das war das erste Mal, dass Sexarbeiter*innen durch einen Arbeitskampf weltweit und solidarisch Aufsehen erregten. Es ist eine große Errungenschaft, dass wir den Tag dieses Jahr zum 51. Mal feiern.
Die Lebenslagen von Sexarbeiter*innen sind vielfältig und von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt. Als Bundesarbeitsgemeinschaft Frauen, Sexarbeit und illegalisierte Substanzen möchten wir Sichtbarkeit für drogengebrauchende Frauen* in der Sexarbeit schaffen. Sie erleben eine mehrfache Verurteilung und Ausgrenzung als Sexarbeiter*innen und als Drogengebraucher*innen. Die gesellschaftliche Meinung über sie ist durch diverse Vorurteile bestimmt. Häufig wird ihnen ihre Selbstbestimmung abgesprochen und ihnen nicht zugehört.
Unsere Erfahrung zeigt: sie haben professionelle Erfahrungen und Forderungen. Wir haben drogengebrauchende Sexarbeiter*innen gefragt, wie sie sich in der Sexarbeit schützen und was ihre Forderungen sind. Eine Auswahl ihrer Statements möchten wir gerne teilen:
„Ich schütze mich in der Sexarbeit indem ich...“
• Kondome nutze und Männer ablehne, die nur ohne Sex haben wollen.
• immer verhüte
• auf mein Bauchgefühl höre & keine Ausnahme was den Schutz betrifft mache!
• nur Kunden annehme, die ich kenne oder andere Frauen kennen.
• nach Möglichkeit andere informiere, wenn ich in ein fremdes Auto steige; Tele-fonkontakt halten, Alarmgerät dabei.
• mit Kondom arbeite.
• nur tagsüber am Platz arbeite. Im Dunkeln ist es mir zu gefährlich.
• ich nicht alleine auf der Straße arbeite.
• einer anderen Frau meinen Standort teile oder sage wo ich bin. Oder Kennzeichen aufschreiben.
• mir die Kunden gut angucke. Besoffene und aggressive Kunden nehme ich nicht an.
• ich immer Pfefferspray dabei habe.
• auf gepflegtes Aussehen und auf nüchternen Zustand achte.
„Um sicher in der Sexarbeit arbeiten zu können, wünsche ich mir...“
• keine Krankheiten.
• dass alle Frauen aufeinander aufpassen & achtsam sind.
• dass ich nicht so viel kontrolliert werde
• Unterstützung bei Behörden, weil ich nicht gut deutsch spreche.
• sicher auf der Straße arbeiten zu können. Ohne Sperrbezirk.
• Zugang zu öffentlichen Toiletten oder Sanitäranlagen.
• eine Kamera an der Einfahrt des Geländes, um die Autokennzeichen von Kunden und Dealern nachvollziehen zu können.
• dass die Frauen mehr auf sich achten würden (gegenseitig). Und sich nicht unter Wert verkaufen.
• Verrichtungs-Boxen! Waschmöglichkeit, Rückzugsplatz (zum Essen, chillen und Ruhe)
• bessere Hotels! Bessere Preise, damit man nicht gezwungen ist bis spät nachts zu arbeiten.
• dass Kunden nicht nach Verkehr ohne Kondom fragen.
• eine zentrale Lokalität, kostenlos, wo man sich nach Bedarf hinbegeben kann, wenn man z.B. wohnungslos ist bzw. keine Möglichkeit/Lust hat Kunden mit nach Hause zu nehmen.
• Akzeptanz und Aufhebung der Sperrgebiete.
• dass es überall Container/Sozialarbeiter gibt.
• dass die Frauen, die arbeiten, von der Polizei in Ruhe gelassen werden. Draußen wo wir stehen gibt es immer Stress mit der Polizei.
• Zugang zu Schlafstellen/Notschlafstellen als drogengebrauchende Frau.
Es wird deutlich: Drogengebrauchende Frauen in der Sexarbeit sind keine willenlosen Opfer ihres Drogenkonsums. Sie sind Dienstleister*innen, Kolleg*innen, Partner*innen, Freund*innen, Expert*innen und auch Ratsuchende. Sie haben jahrelanges Wissen und Erfahrungen in ihrer Arbeit gesammelt.
Um ihre Situation zu verbessern sollten wir mehr zuhören und sie ernst nehmen, denn sie haben viel zu sagen und wissen selbst am besten was sie brauchen.
Als Bundesarbeitsgemeinschaft Frauen, Sexarbeit und illegalisierte Substanzen fordern wir mehr Respekt, Rechte und Sichtbarkeit für drogengebrauchende Frauen in der Sexarbeit.


