Am 8. März ist Feminististischer Kampftag!
Rede zum Feministischen Kampftag 2026
Zum internationalen feministischen Kampftag haben wir darüber diskutiert, wie ein solidarischer Feminismus mit Sexarbeitenden aussehen kann. Heute sagen wir klar: Solidarität heißt, zuhören – nicht bevormunden.
In der gesellschaftlichen Debatte werden Sexarbeiter*innen oft als Opfer dargestellt, als entmündigte Objekte patriarchaler Ausbeutung. Doch wer genauer hinsieht, erkennt politische Subjekte: Menschen, die seit Jahrzehnten für ihre Rechte kämpfen – für Selbstbestimmung, für Anerkennung, für ihre Lebensrealität.
In der Sexarbeit sehen wir Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen: Menschen, die schlicht ihrem Gelderwerb nachgehen. Menschen mit Leidenschaft für ihren Beruf. Menschen, die von Armut betroffen sind, mit Suchterkrankungen leben oder unter rassistischer Migrationspolitik leiden. Wie überall im Kapitalismus sehen wir auch in der Sexarbeit ökonomische Zwänge und patriarchale Strukturen. Aber strukturelle Kritik darf nicht mit Repression und der Kriminalisierung von Lebensrealitäten beantwortet werden.
Ein Sexkaufverbot ist keine feministische Antwort. Es nimmt Sexarbeiter*innen ihre Entscheidungsmacht und sagt: „Deine Lebensrealität ist ein Problem – wir schaffen sie ab.“ Das ist keine Solidarität. Das ist Bevormundung.
Wer Verbote fordert, offenbart oft eigene moralische Vorstellungen vom „richtigen“ Beruf, von „richtiger“ Sexualität, vom „richtigen“ Umgang mit dem Körper. Ein solidarischer Feminismus hinterfragt diese Moral – statt sie anderen aufzuzwingen.
Solidarität bedeutet:
-Selbstbestimmung anerkennen.
-Stigmatisierung abbauen.
-Rechte stärken statt Existenzen kriminalisieren.
-Mit Sexarbeiter*innen kämpfen – nicht über ihre Köpfe hinweg.
Und ja: Solidarität heißt auch, die Feindschaft nicht pauschal auf Kundinnen zu richten, wenn dadurch letztlich die Arbeit von Sexarbeiterinnen moralisch verurteilt wird.
Wenn wir am 8. März für die Selbstbestimmung von FLINTA*-Personen kämpfen, dann gilt das ohne Ausnahme. Selbstbestimmung ist unteilbar.
Sexarbeiter*innen brauchen keine Rettung.
Sie brauchen Rechte. Sexarbeit ist Arbeit.
Unser Feminismus ist solidarisch – oder er ist keiner.