Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende 2026
Pressemitteilung zum internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am 21. Juli 2026
An diesem Tag setzt Hannover erneut ein deutliches Zeichen des Gedenkens und der gesellschaftlichen Verantwortung. Wir erinnern uns an all jene Menschen, die durch die Folgen von Substanzkonsum und die damit verbundenen sozialen Missstände ihr Leben verloren haben.
Im Jahr 2025 haben wir in Deutschland 2150 Todesfälle zu beklagen! Jede einzelne Zahl steht dabei für ein verlorenes Leben, für eine Geschichte, die hätte weitergehen müssen.
Kriminalisierung, Wohnungslosigkeit und der fehlende Zugang zu medizinischer Versorgung gehören weiterhin zu den zentralen Ursachen dieser tragischen Entwicklungen.
Bereits vier Todesfälle im ersten Halbjahr 2026 in Hannover machen deutlich, wie dringend bestehende Hilfsangebote ausgebaut und eine evidenzbasierte Drogenpolitik umgesetzt werden müssen. Jeder dieser Todesfälle hätte verhindert werden können. Es ist Zeit, nicht nur zu trauern, sondern entschlossen zu handeln.
Das diesjährige Motto „VERÄNDERN, UM LEBEN ZU RETTEN!“ erinnert uns dieses Jahr daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht, ein Gesicht, eine Geschichte. Es ruft uns auf, nicht wegzusehen, sondern die Realität drogengebrauchender Menschen ernst zu nehmen: den Konsum im öffentlichen Raum, die Kälte der Straße, die Verzweiflung immer jüngerer Betroffener. Es fordert uns auf, mutig zu handeln, Hilfsangebote weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen.
Hier vor allem dann auch durch Drug Checking und Substanzanalysen, die heute über Leben und Tod entscheiden können, weil synthetische Opioide wie Fentanyl und Nitazene unberechenbar geworden sind.
Denn gerade die zunehmende Verbreitung dieser synthetischen Opioide verschärft die Lage dramatisch. Das Modellprojekt RaFT (Rapid-Fentanyl-Test) zeigt hier sehr deutlich, dass Heroin in Deutschland immer häufiger mit hochgefährlichen Substanzen gestreckt wird. Auch die European Union Drugs Agency (EUDA) warnt vor einer wachsenden Bedrohung, die bereits in kleinsten Mengen tödlich sein kann.
Darum ist das diesjährige Motto ist ein Appell an unsere Menschlichkeit. Denn nur wenn wir bereit sind, Strukturen zu verändern, können wir Menschen schützen, die oft keine Stimme haben. Es ist ein Versprechen, niemanden zurückzulassen.
Wir sind verpflichtet uns zu verinnerlichen, dass neben der gesundheitlichen Gefährdung viele Konsumierende von Armut und Wohnungslosigkeit betroffen sind. Und ohne sicheren Rückzugsort sind sie gezwungen, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten. Dies führt zu Verdrängung, fehlender sanitärer Infrastruktur, unzureichender medizinischer Versorgung und dazu, dass sie in Notlagen unsichtbar bleiben.
Wir fordern mit Nachdruck
- Entkriminalisierung von Konsumierenden — Schluss mit strafrechtlicher Verfolgung bei Besitz und Beschaffung.
- Anerkennung von Substanzkonsument*innen — Teilhabe ermöglichen statt Verdrängung und Ausgrenzung. Entstigmatisierung von Betroffenen sowie Eltern und Angehörigen
- Risikominimierung und Gesundheitsförderung — flächendeckendes Drugchecking, Drogenkonsumräume, Naloxonprogramme.
- Genereller Ausbau medizinischer und stationärer Versorgung für alle Betroffenen. Wichtigkeit eines verbindlichen Nahtlosverfahrens ohne (Warte-)Lücken.
- Sichere Finanzierung der Drogenhilfe — lebensrettende Angebote müssen stabil bleiben.
- Niedrigschwellige Substitution — auch für marginalisierte Gruppen.
- Frühwarnsysteme und Schulungen — zur Prävention von Überdosierungen durch synthetische Opioide.
- Zugang zu sicherem Wohnraum — soziale Stabilität als Grundlage für Gesundheit und Teilhabe.
Die im Flyer genannten Veranstaltungen zum Gedenktag in Hannover schaffen deshalb Raum für persönliche Trauer und politisches Handeln. Besonders die zentrale Abschlussveranstaltung auf dem Neustädter Friedhof (Königsworther Platz) bietet dort Betroffenen, Angehörigen und Unterstützenden die Möglichkeit, ihre Trauer sichtbar zu machen, und gleichzeitig ein deutliches Signal an die Politik zu senden.
Der Gedenktag mahnt uns, dass Trauer wichtig ist, aber sie verändert nichts, wenn ihr kein Handeln folgt. Nur durch konkrete Maßnahmen und einen offenen gesellschaftlichen Dialog können wir eine Zukunft schaffen, in der drogengebrauchende Menschen nicht nur gewürdigt, sondern aktiv geschützt und unterstützt werden.
Es geht um Verantwortung. Es geht um Solidarität. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die Leben retten.
Für den Arbeitskreis Sucht, Drogen und Aids
Der „Arbeitskreis Sucht, Drogen und AIDS“ ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Institutionen, Vereinen und Selbsthilfegruppen, die in der Region und Stadt Hannover zu den Themen Sucht, Drogen und HIV/AIDS tätig sind


