0511 / 140-23

Wenn der Morgen dich mit Angst begrüßt
Und du weißt weder ein noch aus
Wenn die Unruhe dich nicht schlafen lässt
Passt aufeinander auf  (Früchte des Zorns)

Der „Arbeitskreis Sucht, Drogen und AIDS“ trauert mit Eltern, Angehörigen und Betroffenen um die drogengebrauchenden Frauen und Männer, die unmittelbar oder indirekt an den Folgen des Drogenkonsums gestorben sind.

Schirmherr: Burkhard Blienert (Bundesdrogenbeauftragter)

Donnerstag, 21. Juli 2022

12.00 Uhr  Streetwork in der Innenstadt
    
13.00 -16.00 Uhr  Gedenken, Grillen, Informationen, Aktionen und Protest
Stellwerk, Step gGmbH
Bauwagen, Neues Land
Warstraße, Betreutes Wohnen Substituierter
La Strada, Phoenix e.V.                                    

16.30 Uhr   Gemeinsames Gedenken
Gedenkstein Neustädter Friedhof
Grußworte Monica Plate 
Trauerrede Jörg Machei

Wir fordern

    • Entkriminalisierung von Drogenkonsumierenden bei Drogenbeschaffung und –besitz
    • Drugchecking als Beitrag zur Risikominimierung und Gesundheitsförderung
    • medizinische und psychiatrische Hilfe auch ohne Krankenversicherung
    • Bessere Zugänge und neuen Wohnraum für alle Menschen
    • Flächendeckende Einführung des Naloxonprogramms
    • Verstetigung der niedrigschwelligen HIV und Hepatitis Testangebote
    • Bedarfsgerechte Versorgung mit Drogenkonsumräumen bundesweit, ohne Zugangsbeschränkungen
    • mehr pädagogische (aufsuchende Arbeit). mehr medizinische (u.a. Substitution) und psychiatrische Angebote für Crack-Abhängige
    • Verbesserung und Ausbau von tagesstrukturierende niedrigschwellige Angeboten
    • Mehr Rückzugsorte, Tagesschlafplätze und geduldete öffentliche Orte
    • Verbesserung der Vernetzung und Zugänge von Hilfs- und Ausstiegsangeboten
    • Erweiterung der Streetwork, insbesondere für Crackkonsumenten

Im Jahr 2021 hatten wir in Hannover 13 und in ganz Niedersachsen 86 Drogentote zu beklagen. Bundesweit  verstarben 1826 Menschen. Dieses stellt einen erheblichen Anstieg um 15,5% dar. Und das zum vierten Mal in Folge. Hinter jedem verstorbenen Menschen stehen ein Einzelschicksal und eine betroffene Familie. Um dieser individuellen Trauer einen öffentlichen Ausdruck zu verleihen, gibt es seit Mai 2015 einen Gedenkort für verstorbene Suchtkranke in Hannover auf dem Neustädter Friedhof (Königsworther Platz).

Die Einschränkungen des Betäubungsmittelgesetzes für die Substitutionsbehandlung führten zu einem stetigen Rückgang an substituierenden Ärzt:innen und zu Engpässen in der Versorgung. Eine Sicherstellung der flächendeckenden Substitution, einschließlich der heroingestützten Behandlung, sowie eine Normalisierung der suchtmedizinischen Behandlung, hinsichtlich der Wahrung von Patient:innenenrechten, ist elementar. Coronabedingte Lockerungen der BtMVV, wie z.B. die Verlängerung der Take-Home-Regelungen für Substituierte, sollten über das Ende der Pandemie hinaus beibehalten werden. Durch die bessere medizinische Versorgung werden die Suchtkranken älter. Dadurch steigt der Bedarf an altersgerechter Pflege und an Plätzen in Heimen. Doch noch immer erliegt ein Großteil der verstorbenen Drogengebrauchenden den Folgen des Opiat- bzw. Opioidkonsums. Dies zeigt den großen Bedarf der Opioidsubstitution.

Für Crackabhängige fehlt ein Konsumraum, der auch die alltäglichen Bedürfnisse (Bett, Dusche, Aufenthalt, Arztpraxis) abdeckt sowie Straßensozialarbeit, um die Überleitung in das Hilfesystem gut zu gestalten. Es fehlt ein niedrigschwelliges psychiatrisches Hilfsangebot ohne Wartelisten und Terminabsprachen.

Auch die Fortsetzung der Substitution im Vollzug ist in gleicher Beständigkeit, wie durch die vorbehandelnden Ärzt*innen, zu gewährleisten. Infektionsvermeidung durch Spritzentauschprogramme soll sichergestellt und die bedürfnisgerechte psychosoziale Versorgung stetig erweitert werden. Hierzu bedarf es einer engagierten und weiteren verbindlichen Vernetzung aller Beteiligten aus Justiz, der Suchthilfe, den Krankenkassen und den sozialen Sicherungssystemen.
Es ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, dass mit vielfältiger Unterstützung aufgebaute Hilfenetzwerk zu erhalten und auszubauen. Es bietet Begleitung, Versorgung, Hilfe zum Überleben und zur gesellschaftlichen Teilhabe für betroffene suchtgefährdete und suchtkranke Menschen. Diese Angebote müssen in Ihrer Vielfalt eine ausreichende und gesicherte Finanzierung erhalten.

Für den Arbeitskreis Sucht, Drogen und Aids:
Drogenbeauftragter LH Hannover, Frank Woike; JES Hannover e. V., Selbsthilfeverein, Ilona Rowek; Anlauf- u. Fachberatungsstelle La Strada, Cora Funk
Hannover, den 21.07.2022

 

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