0511 / 140-23
Beratungszimmer La Strada

Beratung

Cafe La Strada

Cafe

Cafe La Strada

Aufsuchende Arbeit

Aufsuchende Arbeit

Tagung „Im Spannungsfeld zwischen Schutz und Kontrolle. Die Auswirkungen von gesetzlichen Veränderungen am Beispiel der Handlungsfelder Prostitution und Drogengebrauch“ am Campus Kleefeld

In Kooperation zwischen der Fakultät V – Diakonie, Gesundheit, Soziales und dem Verein Phoenix e.V. fand am 6. Juni 2018 am Campus Kleefeld eine Tagung zum Thema „Im Spannungsfeld zwischen Schutz und Kontrolle. Die Auswirkungen von gesetzlichen Veränderungen am Beispiel der Handlungsfelder Prostitution und Drogengebrauch“ statt. Mit Phoenix e.V. konnte durch die seitens der Fakultät verantwortlichen Veranstalterinnen (Prof. Dr. Karin Lenhart-Roth, Maike Wagenaar und Mirjam Dierkes) ausgewiesene Praxis-Expertise für eine Zusammenarbeit zu diesen Themen gewonnen werden: Der Hannoveraner Verein blickt auf eine bereits 30 Jahre andauernde anerkannte Aktivität im Feld der Drogenberatung und der Beratung von Sexarbeiter*innen zurück und nahm die Tagung zum Anlass, dieses Jubiläum gemeinsam mit der Fachöffentlichkeit und weiteren Interessierten zu  begehen.


Die etwa 75 teilnehmenden Studierenden und Lehrenden der Fakultät V, Praktiker*innen aus der Prostitutions- und Drogenberatung sowie weitere Interessierte wurden zunächst von Maike Wagenaar, Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fakultät V, und Eva Maria Müller-Beuße vom Phoenix-Vorstand begrüßt. Anschließend führte Prof.in Dr. Maria Wersig von der Fachhochschule Dortmund in ihrem Eröffnungsvortrag aus rechtswissenschaftlicher Perspektive in das im Titel benannte „Spannungsfeld“ ein: Sie wies dabei insbesondere auf die Notwendigkeit hin, dass sich die Soziale Arbeit in Gesetzgebungsprozessen mit ihrer Expertise profilieren müsse. Nur so könnten die am Ende entstandenen Gesetze der Lebenswirklichkeit der Klient*innen gerecht werden. Gleichwohl ende dieser Auftrag der Mitgestaltung für die Soziale Arbeit nicht mit der Verabschiedung eines Gesetzes – vielmehr gelte es, im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen konkrete Umsetzungsprozesse, vor allem vor Ort in Verwaltung und Politik, kritisch und im Sinne der eigenen Klient*innen zu begleiten und eigenes Fachwissen in den politischen Raum zurückzuspiegeln.
Einen Einblick in die konkrete Arbeit von Phoenix gab anschließend die Vorstellung der unterschiedlichen Projekte des Vereins: Dieser bietet zum einen im Projekt Phoenix Beratung für Sexarbeiter*innen zu Fragen aus vielfältigen Lebensbereichen an. Beim zweiten der vorgestellten Vereins-Projekte, La Strada, handelt es sich um eine Anlauf- und Beratungsstelle für drogengebrauchende Frauen und Mädchen, deren Mitarbeiterinnen auch aufsuchend an Szenetreffpunkten in der Stadt unterwegs sind. Beim Café Nachtschicht schließlich, das ebenfalls zum Verein gehört und in Kooperation mit dem Team Prävention und Gesundheitsförderung im Fachbereich Gesundheit der Region Hannover betrieben wird, handelt es sich um eine Anlaufstelle für Sexarbeiter*innen auf dem hannoverschen Straßenstrich.  Diese bekommen hier u.a. Informationen zu safer sex und safer use. Allen Angeboten gemeinsam ist eine akzeptierende Haltung sowie die Niedrigschwelligkeit bei der Inanspruchnahme.
Inhaltlich leitete die Vorstellung der Projekte zu drei parallelen Workshops am Nachmittag hinüber. Fragestellungen aus dem Beratungsalltag wurden aufgriffen, welche unmittelbar mit Veränderungen in dessen gesetzlicher Regulierung zusammenhängen. In einem von Prof. Dr. Kathrin Schrader von der University of Applied Sciences Frankfurt angebotenen Workshop setzten sich die Teilnehmer*innen mit den Auswirkungen des neuen Prostituiertenschutzgesetzes auseinander. Ein von Dirk Schäffer von der Deutschen AIDS-Hilfe geleiteter Workshop fokussierte die Veränderungen, die sich in der sozialarbeiterischen Praxis, insbesondere in der psychosozialen Beratung, durch eine aktuelle Novellierung der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung ergeben.  Ein dritter Workshop schließlich beschäftigte sich mit der Frage, wie Streetwork als sozialarbeiterische Praxis jeweils im Kontext spezifischer gesetzlicher Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Zeitgeistes bewertet und umgesetzt wurde bzw. wird. Geleitet wurde dieser Workshop von Christine Ehlers und Ellen kleine Kruthaup vom Team Prävention und Gesundheitsförderung, Fachbereich Gesundheit der Region Hannover. In einer gemeinsamen Plenumsdiskussion zum Abschluss, moderiert von Prof.in Dr. Karin Lenhart-Roth von der Fakultät V, wurden zunächst Ergebnisse aus den Workshops zusammengetragen. Anschließend beschäftigte sich die Debatte wiederum mit der Frage, ob und auf welchen Wegen sich seitens der Sozialen Arbeit Spielräume im Rahmen gesetzlicher Regulierungen nutzen lassen, um eine konkrete Ausgestaltung rechtlicher Vorgaben an die lebensweltlichen Belange derjenigen zu ermöglichen, die sozialarbeiterische Angebote in Anspruch nehmen. Diskutiert wurde auch, was Soziale Arbeit  im Rahmen ihrer Möglichkeiten tun kann, gesetzliche Regulierungen zu beeinflussen.
Zu dieser Frage wurden, ebenso wie vorher in den Workshops, rege Diskussionen geführt, die auch jenseits des Tagungsprogramms Ideenaustausch und vielfache Vernetzung unter den Teilnehmer*innen zur Folge hatten. Die Veranstalterinnen blicken daher gemeinsam auf eine spannende Tagung zurück, die sowohl für die sozialarbeiterische Praxis als auch für die wissenschaftliche Beschäftigung für Studierende und Lehrende mit den fokussierten Themen anregende Impulse geliefert hat.